Ratssaal statt Klassenraum

Eine vollbesetzte Besucherempore im Ratssaal der Stadt Mannheim ist im politischen Alltag der Stadt Mannheim ein eher seltener Anblick. Und dass auf den Gemeinderatsplätzen keine erwachsenen Politikerinnen und Politiker sitzen, sondern Jugendliche, ist ebenfalls nicht die Regel. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler des Elisabeth-Gymnasiums, der Carl-Benz-Schule, der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried sowie des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums haben am Montagvormittag die Möglichkeit genutzt, im Ratssaal in einen direkten Dialog mit den Mannheimer Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Fulst-Blei und Wolfgang Raufelder zu treten.

Jugendliche und Landespolitiker im Gespräch

Zu der Veranstaltung hatten die Abteilung Jugendförderung des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie – Jugendamt – sowie der Stadtjugendring Mannheim e.V. Schulklassen eingeladen, um den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, die Anliegen und Themen der jungen Generation näher in das Blickfeld der Landespolitik zu rücken.

 

Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Felicitas Kubala startete der rund zweieinhalbstündige Dialog, in dem die Jugendlichen viel über den Alltag und die Arbeit eines Landtagsabgeordneten erfahren konnten: Wie hoch der Verdienst ist, dass ein Arbeitstag auch gerne mal 16 Stunden oder die Woche 68 Arbeitsstunden dauert, waren nur einige der interessanten Einblicke in den Abgeordnetenalltag.

Nicht zu kurz kamen natürlich die Fragen aus dem schulischen Bereich: Ob denn G 8 ein fehlgeschlagenes Experiment sei, wollte eine Schülerin wissen. Oder ob es nicht an der Zeit wäre, ein lebenspraktisches Fach in die Lernpläne aufzunehmen, in dem die Schüler beispielsweise etwas über Steuern oder Verträge lernen, was von Dr. Stefan Fulst-Blei eindeutig bejaht und auch konkret angekündigt wurde. Die bauliche Situation und Ausstattung der Schulen waren ebenso Themen wie die ersten Erfahrungen mit Inklusion und der Aufnahme des Themas „Sexuelle Vielfalt“ in die Bildungspläne.

Zur niedrigen Beteiligung junger Menschen an Wahlen wurden gezielt Anregungen an die Landespolitiker weitergegeben, sich stärker mit e-Partizipation auseinanderzusetzen, um für junge Menschen eine bessere Beteiligung auch außerhalb von Wahlen zu ermöglichen.Beendet wurde die Diskussionsrunde mit einem derzeit stark bewegenden Thema – der Flüchtlingssituation im Land. Dabei wurden konkret die Unterbringungssituation sowie die psychologische Betreuung von jungen und traumatisierten Flüchtlingen angesprochen und über Möglichkeiten diskutiert, das Thema stärker in den Unterricht aufzunehmen, um rassistischen und menschenverachtenden Äußerungen gezielt entgegenwirken zu können.

An diesem Punkt wurde auch von allen Beteiligten der abschließende Wunsch geäußert, weitere Veranstaltungen dieser Art für die Schulen anzubieten, um intensiver an einzelnen Themenfeldern weiterdiskutieren zu können. Nicht zuletzt ermutigten die Abgeordneten Dr. Stefan Fulst-Blei und Wolfgang Raufelder die Jugendlichen, sich mit ihren Fragen auch weiterhin direkt an sie persönlich zu wenden, um den spannenden Dialog aufrecht zu erhalten.